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Zwischen Effizienz und Überforderung: Die Zukunft der Energieversorger mit KI

Ein Blick genügt

Ein kurzer Spaziergang über den Parkplatz eines Einkaufszentrums mit Reihen von Ladesäulen oder ein Blick auf ein Einfamilienhaus, dessen Dach mit glänzenden Solarmodulen bedeckt ist, reicht aus, um zu erkennen: Die Energiewirtschaft hat sich in den vergangenen Jahren grundlegend verändert.

Noch vor gar nicht allzu langer Zeit funktionierten Stromnetze im Wesentlichen als Einbahnstraße. Zentral erzeugte Energie wurde über weit verzweigte Netze zu den Verbraucherinnen und Verbrauchern transportiert. Der Bedarf war relativ gut planbar, Informationen flossen langsam, häufig über analoge Systeme und manuelle Prozesse.

Die heutigen, digitalisierten Netze sind davon Lichtjahre entfernt. Mit dem starken Wachstum der Elektromobilität und der zunehmenden Verbreitung von Photovoltaik-Anlagen und Heimspeichern fließt Energie längst in beide Richtungen. Gleichzeitig wird der Verbrauch immer weniger vorhersehbar. Auch technologisch haben sich die Netze rasant weiterentwickelt und damit an Komplexität gewonnen, weit über einfache Modernisierungen hinaus.

Wo Störungen früher oft erst spät erkannt wurden, lassen sie sich heute in Echtzeit identifizieren. Teams oder automatisierte Systeme können sofort reagieren und schnell gezielte Gegenmaßnahmen einleiten.


Komplexität als strukturelles Risiko

Die Systemlandschaften von Energieversorgern sind historisch gewachsen, stark an physischen Assets orientiert und eng reguliert. Über Jahrzehnte hinweg sind so parallele Systemwelten in einzelnen Regionen entstanden, vermeintlich „temporäre“ Altsysteme, die dauerhaft geblieben sind, sowie eine ausgeprägte Trennung zwischen OT-Systemen (etwa SCADA, DMS oder GIS) und klassischen IT-Systemen wie ERP, CIS, CRM oder EAM. Die Folge: hohe Kosten, geringe Transparenz, langsame Veränderungsprozesse und ein steigendes operatives Risiko.

In diesem Umfeld ist Technologierationalisierung längst keine reine IT-Effizienzmaßnahme mehr. Sie bildet heute die Grundlage für operative Exzellenz, regulatorische Sicherheit und die Fähigkeit, KI sinnvoll einzusetzen. Denn auf einer zersplitterten Systemlandschaft lassen sich weder KI noch Automatisierung nachhaltig aufbauen. Ohne Vereinfachung verstärkt KI bestehende Ineffizienzen und Risiken, statt echten Mehrwert zu schaffen.

Für Verantwortliche im Enterprise Architecture bedeutet das eine enorme Herausforderung. Sie müssen Transparenz in gewachsene Strukturen bringen und klären, welche Anwendungen wirklich geschäftskritisch sind, welche redundant laufen und welche Standardisierung und Automatisierung ausbremsen. Ebenso gilt es zu erkennen, wo Prozessvarianten schleichend entstanden sind und an welchen Stellen die Datenqualität leidet.

Das sind keine theoretischen Fragestellungen. Sie betreffen unmittelbar die Versorgungszuverlässigkeit, die regulatorische Nachweispflicht und die Fähigkeit eines Unternehmens, Innovation verantwortungsvoll voranzutreiben.

KI macht Rationalisierung unverzichtbar

Künstliche Intelligenz erhöht den Druck, diese Herausforderung anzupacken. Energieversorger streben nach vorausschauender Wartung, KI-gestütztem Störungsmanagement, intelligenter Einsatzplanung für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie KI-gesteuertem Kundenservice. Doch all diese Potenziale lassen sich nicht auf einer chaotischen Systemlandschaft entfalten. Uneinheitliche Datenmodelle, fragmentierte Prozesse und unklare Systemverantwortlichkeiten erzeugen „Black-Box“-Risiken, die Regulierungsbehörden nicht tolerieren würden.

Eine unternehmensweite KI-Einführung erfordert eine aufgeräumte, rationalisierte Systemlandschaft – eine Umgebung, in der Prozesse und Datenflüsse konsistent, transparent und prüfbar sind.

Technologierationalisierung wird so zur Voraussetzung für:

  • Vertrauenswürdige KI
  • Nachvollziehbare Entscheidungen
  • Regulatorisch sichere Automatisierung
  • Unternehmensweite KI-Einführung

EAM und BPM verbinden: Single Source of Truth für Prozesse und IT

An dieser Stelle kommt die Plattform von GBTEC ins Spiel. Mit BIC Enterprise Architecture Management lässt sich die Anwendungslandschaft transparent abbilden. Redundanzen, Abhängigkeiten und Risiken werden sichtbar, noch bevor ein System abgeschaltet oder modernisiert wird. BIC Process Design ergänzt dies, indem es aufzeigt, wie Anwendungen tatsächlich im Tagesgeschäft genutzt werden, inklusive Prozessvarianten, manueller Workarounds und versteckter Kompensationslogik. Zusammen liefern die beiden Lösungen eine einheitliche, konsistente Sicht auf Prozesse und Technologie – die Grundlage für sichere Modernisierung und KI-Readiness.

Der echte Durchbruch gelingt, wenn Prozess- und Architekturfragen nicht getrennt, sondern als gemeinsame Disziplin betrachtet werden. Horizon Power, ein großer australischer Energieversorger, zeigt, wie das funktionieren kann. Durch die Einführung einer gemeinsamen Prozessarchitektur, die direkt mit Systemen, Daten und Rollen verknüpft ist, konnten sie:

  • echte funktionale Überschneidungen identifizieren
  • verstehen, welche Systeme kritisch und welche historisch sind
  • ihre Systemlandschaft vereinfachen, ohne den Betrieb zu destabilisieren

Horizon Power hat Governance direkt in ihre Prozess- und Architekturpraktiken eingebettet, unterstützt durch ein zentrales Repository statt durch isolierte Dokumente. Plattformen wie GBTEC machen dies praktikabel, indem sie Nachvollziehbarkeit vom Regulierungsrahmen über Prozess und System bis hin zur Kontrolle gewährleisten. Ihre Erfahrungen zeigen, wie ein zukunftsfähiges Betriebsmodell für Versorger aussieht: klare Verantwortlichkeiten, eine gemeinsame Sprache, sichtbare Abhängigkeiten und eine Plattform, die Strategie mit operativer Umsetzung verbindet.

Die Grundlage für sichere Modernisierung

Mit einem rationalisierten Portfolio und standardisierten Prozessen können Energieversorger Modernisierungen mit Vertrauen angehen. Automatisierung und KI lassen sich auf einer Basis einsetzen, die sicher, nachvollziehbar und regulatorisch belastbar ist. Regulierungsbehörden, Prüferinnen und Prüfer sowie andere Stakeholder können Entscheidungen von der Prozessgestaltung über die Systemumsetzung bis hin zu den Ergebnissen zurückverfolgen. Betriebsstörungen werden reduziert, die Zuverlässigkeit steigt, und die Organisation ist bereit, neue Technologien zu nutzen, statt von ihnen überrollt zu werden.

Technologierationalisierung: Die stille Kraft

In Diskussionen über digitale Transformation wird Technologierationalisierung oft übersehen – dabei ist sie der stille Held erfolgreicher Modernisierung in der Energiewirtschaft. Sie ermöglicht es Unternehmen, vom reinen „Feuerlöschen“ und kurzfristigen Heldenaktionen zu kontrollierten, messbaren Veränderungen überzugehen. Sie macht KI-Einsatz nicht nur möglich, sondern strategisch sinnvoll. Und sie gibt Führungskräften die Sicherheit, dass Modernisierung, Automatisierung und regulatorische Anforderungen gleichzeitig realisierbar sind.


Worauf es wirklich ankommt

Für Energieversorger geht es bei Rationalisierung nicht darum, Kosten zu senken oder Häkchen zu setzen. Es geht darum, eine Systemlandschaft zu schaffen, in der das volle Potenzial von Technologie, Prozessen und Daten ausgeschöpft werden kann. Mit einer Plattform, die EAM- und Process-Design-Funktionen kombiniert, erhalten Versorger eine transparente, prozessbewusste und KI-fähige Basis. Sie können ihre Landschaft vereinfachen, Modernisierungen sicher durchführen und KI verantwortungsvoll im großen Maßstab einsetzen.

Erfahren Sie, wie Energieversorger die digitale Grundlage für moderne Betriebsumgebungen schaffen.